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Jede bedeutendere Stadt hat sein
Boulevard. In Jalta besuchen alle Touristen die Uferstraße, in Kiew trifft man
sich auf den Kreschatik, in Odessa wollen alle die Deribasovskuju sehen und
verstehen, in Uschgorod spazieren alle auf dem Korso. In Czernowitz wäre es eine
kleine Sünde, die Olga-Kobyljanska-Straße nicht zu besuchen (früher
Herrengasse).
Sie „fliegt“ wie ein Strahl vom Zentralen Platz an den Musikern, die vor dem
Standesamt stehen, vorbei und „bremst“ neben der Kathedrale, dann weiter bis zum
Deutschen Haus. Die Strasse ist nicht besonders lang (600m) aber fast
vollständig eine Fußgängerzone. Natürlich können die Touristen hier nicht nur
flanieren, sondern auch eines der vielen Restaurants besuchen, oder sich an den
vielen Souvenirshops die verschiedenen regionalen Souvenirs ansehen.
Bis Heute leben viele Czernowitzer, die sich noch erinnern können, wie die
Hausmeistern die Strasse mehrmals in den Tag mit dem Wasser und der Seife
wuschen. Händler, welche hierher die Ware aus einem Vorort Roscha brachten,
mussten ihre Füßen sorgfältig säubern bevor sie auf dieses Pflaster treten
durften. Die schmutzigen Fuhrwerke, die zur Stadt aus den umgebenden Dörfern
ankamen, war es verboten in diese Strasse zu fahren.
Am Anfang der Strasse, links, kann man einen Blick auf das elegante Gebäude mit
dem graziösen Turm, in welchem früher das Cafe „Habsburg“ war und zurzeit - die
Niederlassung der Ukrainischen Nationalbank ist. In dieser Gegend finden Sie
viele interessante Häuser mit vielfältigen architektonischen Kleinoden. Das
ehemalige Polnische Volkshaus (Nr.36) mit einer modernisierten Renaissanceattika
(Arch. F.Skowron, 1905) und das ihm gegenüberstehende Deutsche Volkshaus (Nr.53,
Arch. Gustav Fritsch, 1908-1910) sind besonders sehenswert. Die
mittelalterlichen Motive bekamen hier einen neuen Sinn im Geiste des Romantismus
und Jugendstils, wobei auch die traditionellen Volksbaukunstelemente stilisiert
wurden. Die Wandmalereien in den Innenräumen wurden von Alfred Offner
ausgeführt.
Heute sind in diesen Häusern wieder die Gesellschaften der polnischen und der
österreichisch-deutschen Kultur zu Hause.
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